Du kannst so viele schöne Dinge während eines Urlaubstags im Norden machen. Du kannst dich einfach an den Strand legen und dem Meeresrauschen zuhören. Du kannst ein Fischbrötchen essen und dann noch eines und noch eines. Du kannst aber auch gemütlich durch einen Baumarkt schlendern und ein paar Dinge zusammensammeln, damit du dich später als Heimwerker-King unter Beweis stellen kannst. Du siehst, es gibt eine Palette schier endloser Möglichkeiten – lebe dich in den Sommermonaten aus! Aber denk’ dabei dran … nicht zu doll.
Das habe ich alles beherzigt und dennoch blieb mir im Baumarkt jüngst der Mund offen. Warum? Nun ja … sagen wir es einmal so: Ich finde, wer modernes Marketing betreibt, sollte es auch ehrlich und fair tun. Der Ursprung des Wortes Rabatt sei hier als Beispiel ins Feld geführt. Wer sich an die Schulzeit zurückerinnert: Das Wort geht auf das Verb „schlagen“ (lateinisch „battuere“) und auf die Vorsilbe „wieder, zurück“ (lateinisch „re“) zurück. Wir können im übertragenen Sinne also festhalten: Es soll dabei etwas vom Preis abgezogen werden und ich erhalte etwas zurück. So weit, so gut.
Wenig ungewöhnlich ist, dass dies in der heutigen Zeit so abläuft, dass ich dem Unternehmen dafür meine Daten überlasse, via App beispielsweise. Nach einem mehr oder weniger aufwendigen Registrierungsprozess stimme ich dabei haufenweise Nutzungsbedingungen zu. Dafür erhoffe ich mir, wenn alles am Ende digital auf dem Smartphone eingerichtet ist und ich der gläserne Kunde bin, dass ich einen schnuckeligen Rabatt auf meine Erwerbungen im Baumarkt erhalte.
Nun ja, wie dieser Rabatt im Einzelfall ausfällt? Da staune ich doch nicht schlecht! Ich weiß nicht, wer in gewissen Chefetagen die Entscheidungen fällt, aber Rabattmodell ist eben nicht gleich Rabattmodell. Während es durchaus möglich ist, im Einzelhandel anno 2025 über eine App zehn Prozent als Ermäßigung auf den Einkauf zu erhalten (ja, ich weiß durchaus, dass auch schlicht der Grundpreis erhöht werden kann, sodass diese zehn Prozent gewährt werden können, ohne dass es die Firma jede Menge Umsatz kostet), gibt es wiederum auch Apps, die es auf die Spitze treiben.

Sagen wir es so: Ich finde es – schlicht und einfach ausgedrückt – unangemessen, wenn der Kunde eine App auf seinem Smartphone installiert, sich an alle Regeln des digitalen Rabattmodells hält, auf dem Kassenbon die Zeile „App Promotion“ liest und dort sage und schreibe ein einziger Cent als Rabatt aufgeführt wird. Ich möchte ja nicht gleich einen ganzen Euro auf meinen Einkauf sparen, auch zehn Cent wären ja schon toll gewesen. Aber nun einmal Hand aufs Herz: ein lausiger Cent? Dafür habe ich diese ganzen Registrierungen durchgeführt? Damit ich am Ende pro Einkauf einen Rabatt von einem Cent erhalte?
Ich kratze mich am Hinterkopf und wundere mich schon, dass dies niemandem im Marketing peinlich zu sein scheint. Ich beschließe, den gesparten Cent in weitere Fischbrötchen während meines Urlaubs zu investieren und dieses Rabattmodell neu zu bewerten. Ich gelange aber durchaus zu der Erkenntnis, dass der Ursprung des Wortes hier ad absurdum geführt wird. Oder liege ich komplett daneben?
Ich wünsche dir viele Fischbrötchen und weniger Fragezeichen
Sascha