Und ganz schön … muffig!

Die deutsche Sprache hält viele köstliche Begriffe bereit, unter anderem das Wörtchen „muffig“. Wer die Bedeutung recherchiert, landet bei folgender Definition: „Muffig beschreibt primär einen unangenehmen, dumpfen, feuchten oder moderigen Geruch, oft hervorgerufen durch Schimmel, schlechte Belüftung oder Feuchtigkeit.“ Ich nehme einmal an, liebe Leserin bzw. lieber Leser, an dieser Stelle finden wir inhaltlich zusammen und sind uns einig? Ich verknüpfe „muffig“ auch primär mit diesen Formen der Ausdünstungen, beispielsweise in einem Kellerraum. Zumindest ist das meine erste Assoziation, wenn der Wörtchen fällt.

Die Sache wird spannend, wenn ein so besetzter Begriff in ein neues Umfeld getaucht wird. Wenn sich der Kontext drumherum verändert, das Wörtchen aber trotzdem angewendet wird, kann dies bei mir zumindest für ein Stirnrunzeln reichen. So geschah es, als ich eines sonnigen Frühlingstags zur Obstschale griff. Wie schon zig Mal praktiziert, holte ich einen Apfel hervor und schnitt ihn auf. Köstlich! Wir wissen ja schließlich alle … Superfood. Mindestens ein Apfel am Tag sollte es schon sein!

Zwei schöne Äpfel leuchten in der Sonne auf einem Tisch mit einem dunkelblauen Set drapiert.
Äpfel: knackig … frisch … lecker … mitunter aber auch einfach „muffig“ – oder etwa nicht?

Sicher kannst du ebenfalls nachvollziehen, dass nicht jede Apfelsorte gleich schmeckt. Es gibt unglaubliche Unterschiede. Da ist wirklich für jeden Gaumen etwas dabei – von sauer bis hin süß, von knackig bis hin zu mehlig. Es gibt einfach so viele schöne Sorten, die deutsche Sprache hält vermutlich gar nicht genug Adjektive bereit, um alle Geschmacksrichtungen zusammenzufassen. Ich liebe einen klassischen Elstar – da weiß man, was man hat und liegt niemals falsch. Zudem finde ich es gut, wenn das Obst aus der direkten Umgebung, beispielsweise bei uns hier aus dem „Alten Land“, von der anderen Seite der Elbe, kommt und nicht durch die Welt gereist ist. Möchte ich wirklich einen Apfel aus Neuseeland im Supermarkt kaufen? Warum sollte ich, wenn der aus meiner Region genau daneben liegt? Das Konzept ist mir fremd!

Zurück zum Geschmack: Jüngst waren alle Äpfel der Sorte Elstar vergriffen. Es musste Ersatz herbeigeschafft werden! Das tat ich und hatte auch direkt Obst aufgetan, das optisch keinen großen Unterschied machte. Aber dann … es folgte – unweigerlich – der Geschmackstest. Und was soll ich sagen, es fiel der folgenschwere Satz: „Puh! Der schmeckt aber ganz schön … muffig!“ Stille. Mehr gibt es über diesen Apfel an dieser Stelle dann auch einfach nicht zu sagen. Es könnte natürlich noch eine gewisse Einordnung erfolgen: „Muffig“ meint hier vermutlich irgendeine Nuance zwischen mehlig und leicht ranzig im Abgang – oder so in der Art.

Fazit: Wer Äpfel schon als „muffig“ empfindet, der betritt Kellerräume, die einen ähnlichen Geruch absondern, vermutlich überhaupt nicht.

Starte ohne Muff in die neue Woche
Sascha