Was ist das höchste Gut, das du einem anderen Menschen schenken kannst? Genau – es ist Zeit! Da zu Beginn eines Jahres häufig eine Rückschau und ein Ausblick gehalten werden, möchte ich in meiner heutigen Kolumne ebenfalls dazu animieren. Mitunter sind es ja die ganz kleinen Dinge, die einem vielleicht sogar zufällig wieder in die Hände fallen, die dann Erinnerungen auslösen. Wann war das bei dir zuletzt der Fall?
Für mich kann ich diese Frage zügig beantworten: vor ein paar Tagen erst! Es fiel mir beim Aufräumen im Regal tatsächlich ein Schwung Masken in die Hände. Masken? Ja, genau, ich meine diese Dinger, für die sich auch ein gewisser Ex-Gesundheitsminister rückblickend noch verantworten muss, weil während der Zeit der Pandemie davon offenbar Unmengen angeschafft wurden. Du erinnerst dich? Es gab da einmal so eine Zeit, da machte das Wort Corona die Runde …
Meine Rückschau soll die Pandemie aber gar nicht so sehr in den Fokus rücken! Wirf einfach einmal einen Blick auf mein Foto. Okay, ich gebe zu, es ist kein Schmuckstück mehr, aber dafür ist es authentisch. Es handelt sich um die allererste Maske als Form des Mundschutzes, die ich in der Zeit der Pandemie erhielt. Ich erinnere mich wie heute daran. Du kannst schon anhand der „Bauform“ erkennen, dass sie aus Corona-Kindertagen stammen muss. Schließlich war zu Beginn der damaligen Ausnahmesituation noch alles erlaubt – es gab keinen Standard, du durftest dir in der ersten Zeit sogar ein Geschirrtuch vor den Mund drapieren, Hauptsache, es war eine Art Schutz vorhanden, wenn du dich vor die Tür bewegt hast. Rückblickend eine sehr skurrile Zeit, nicht wahr?

Auf jeden Fall werde ich diese Maske nicht entsorgen. Sie hat für mich einen symbolischen Wert. Ich weiß es noch ganz genau: Ich bin damals beruflich für die Zeitung ausgerückt und habe eine Seniorin besucht, die nach dem Ausbruch der Pandemie zu den ersten Damen zählte, die begann, auf der heimischen Couch aus vorhandenen und gespendeten Stoffen Masken herzustellen. Selbstverständlich durfte ich diese Maske (siehe Foto) nach dem Termin mitnehmen. Wir sind uns sicher alle einig, dass die Schutzwirkung – auf Basis späterer Erkenntnisse – marginal ist, aber dafür ist meine Maske Nummer eins absolut robust. Die Bänder an den Seiten sind, anders als bei so manchem Industrieprodukt in der Folgezeit, bis heute nicht gerissen. Sie täte sogar noch ihren Dienst – ich müsste sie dafür aber vielleicht in die Wäsche geben.
Für mich ist diese Maske auf jeden Fall für immer und ewig mit der Seniorin verbunden, über die ich damals berichtet habe. Die Dame, die mich lieb und nett zu sich nach Hause einlud und mir zeigte, wie sie selbstlos ihre freie Zeit in die Produktion unzähliger Masken investierte und diese dann bedürftigen Menschen zukommen ließ. Den Namen der Frau erinnere ich leider nicht mehr und wenn sie nicht wirklich steinalt geworden ist, wird sie vermutlich nicht mehr auf Erden weilen, aber … in meinen Erinnerungen ist sie lebendiger denn je! Es schließt sich der Kreis zum Beginn meiner Kolumne: Mach dich heute noch auf und verbringe mit einem Menschen Zeit. Sie ist wertvoll! Es kann ja auch beruflich sein, wie in meinem Fall. Ich bin mir sicher, dass du dabei Momente erlebst, an die du dich später einmal gern erinnern wirst.
Schöne Begegnungen im Jahr 2026 wünscht dir
Sascha